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Versuchsergebnisse

Da der Versuch am Rechner durchgeführt wurde, konnte die von den Versuchspersonen benötigte Reaktionszeit  ohne größeren Aufwand erfaßt werden. Als Reaktionszeit wird die Zeit bezeichnet, die zwischen der Präsentation eines Stimulus und dem ersten darauffolgenden Tastendruck vergeht. Die Reaktionszeit umfaßt also die Lesezeit, die Zeit zum Finden einer assoziativen Antwort und die Zeit, die zum Drücken einer Taste benötigt wird.

Der Mittelwert dieser Reaktionszeit auf einzelne Stimuluswörter lag für Versuchsdurchgang A bei 4,9 Sekunden, für Versuchsdurchgang B bei 4,4 Sekunden. Auf Stimuluspaare lag die mittlere Reaktionszeit für Versuchsdurchgang A bei 6,7 Sekunden, für Versuchsdurchgang B bei 5,6 Sekunden. Da die reine Lesezeit  an diesen Zeitdauern nur einen geringen Anteil haben dürfte, läßt sich daraus also schließen, daß für das Assoziieren auf Wortpaare offenbar länger benötigt wird als für das Assoziieren auf einzelne Stimuluswörter. Dies stimmt mit der subjektiven Beurteilung der Versuchspersonen überein, die das Assoziieren auf Paare schwieriger fanden.

In Anhang gif sind die von den Versuchspersonen gegebenen assoziativen Antworten für die Versuchsdurchgänge A und B aufgelistet. Da die Versuchspersonen teilweise offenbar Schwierigkeiten im Umgang mit der Rechnertastatur hatten (z. B. wurde häufig Groß/Kleinschreibung nicht unterschieden), wurden solche Schreibfehler, die in offensichtlicher und eindeutiger Weise berichtigt werden konnten, korrigiert.

Anhand der erhobenen Daten sollte zunächst geklärt werden, ob bei Stimuluspaaren die (räumliche) Präsentationsreihenfolge  auf dem Bildschirm eine Rolle spielt, ob also die Versuchspersonen beispielsweise auf Erde Sorge anders assoziieren als auf Sorge Erde. Zur Beantwortung dieser Frage wurde zunächst die Übereinstimmung der von den Versuchspersonen gegebenen assoziativen Antworten auf Wortpaare jeweils innerhalb der Versuchsdurchgänge A und B ermittelt. Anschließend wurde die Übereinstimmung zwischen den beiden Versuchsdurchgängen berechnet. Das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein eines deutlichen Unterschiedes sollte darauf schließen lassen, ob die Reihenfolge von Bedeutung ist.

Wie die relevanten Übereinstimmungen berechnet wurden, sei am Beispiel des Wortpaares Erde Sorge (Versuchsdurchgang A) bzw. Sorge Erde (Versuchsdurchgang B) gezeigt. Die im Experiment ermittelten Assoziationen zu diesen beiden Stimuluspaaren sind in Tabelle gif aufgeführt. Als Maß für die Übereinstimmung (Homogenität) der assoziativen Antworten innerhalb eines Versuchsdurchganges wird für jede gegebene Response berechnet, welcher Prozentsatz der übrigen Responses auf dasselbe Stimuluspaar mit dieser identisch ist. Aus diesen Prozentsätzen wird der Mittelwert gebildet. Im in Tabelle gif aufgeführten Beispiel stimmen mit einer auf das Stimuluspaar Erde Sorge gegebenen assoziativen Antwort im Mittel 10,0% der übrigen Antworten überein. Für das Stimuluspaar Sorge Erde sind es durchschnittlich 5,7%.

 

Versuchsdurchgang A Versuchsdurchgang B
Erde Sorge Sorge Erde
Umwelt 5 Umwelt 3
Umweltverschmutzung 2 Umweltverschmutzung 3
Weltuntergang 2 ai 1
Ausbeutung 1 Klimakatastrophe 1
Katastrophen 1 Krieg 1
Macht 1 Luft 1
Müll 1 Ozonloch 1
Mutter 1 Resignation 1
Umweltzerstörung 1 Überbevölkerung 1
Verschmutzung 1 unfruchtbar 1
Zerstörung 1
Tabelle: Assoziationen und Häufigkeit ihrer Nennung zu den Stimuluspaaren Erde Sorge (Versuchsdurchgang A) und Sorge Erde (Versuchsdurchgang B).

 

 

Versuchsdurchgang A Versuchsdurchgang B
Erde Sorge Sorge Erde
Ausbeutung 0,0% ai 0,0%
Katastrophen 0,0% Klimakatastrophe 0,0%
Macht 0,0% Krieg 0,0%
Müll 0,0% Luft 0,0%
Mutter 0,0% Ozonloch 0,0%
Umwelt 26,7% Resignation 0,0%
Umwelt 26,7% Überbevölkerung 0,0%
Umwelt 26,7% Umwelt 14,3%
Umwelt 26,7% Umwelt 14,3%
Umwelt 26,7% Umwelt 14,3%
Umweltverschmutzung 6,7% Umweltverschmutzung 14,3%
Umweltverschmutzung 6,7% Umweltverschmutzung 14,3%
Umweltzerstörung 0,0% Umweltverschmutzung 14,3%
Verschmutzung 0,0% unfruchtbar 0,0%
Weltuntergang 6,7% Zerstörung 0,0%
Weltuntergang 6,7%
ÜBEREINSTIMMUNG A tex2html_wrap_inline23500 A 10,0% ÜBEREINSTIMMUNG B tex2html_wrap_inline23500 B 5,7%
Tabelle: Anteil der übrigen assoziativen Antworten desselben Versuchsdurchganges, die mit einer einzelnen assoziativen Antwort auf ein Stimuluspaar übereinstimmen.

 

Der Vorteil dieses Maßes ist, daß es sich nicht nur innerhalb einer Wortliste, sondern in analoger Weise auch zwischen zwei Wortlisten anwenden läßt. Beispielsweise kann gemessen werden, wie gut die assoziativen Antworten auf das Stimuluspaar i j mit denen auf das Stimuluspaar j i übereinstimmen. In diesem Fall lautet die Fragestellung: Mit wieviel Prozent der assoziativen Antworten auf j i stimmt eine assoziative Antwort auf i j im Mittel überein? Das Ergebnis zu dieser Frage findet sich für das gewählte Beispiel in der linken Spalte von Tabelle gif. Die rechte Spalte bezieht sich auf die umgekehrte Fragestellung: Mit wieviel Prozent der assoziativen Antworten auf i j stimmt eine assoziative Antwort auf j i im Mittel überein? Aus Symmetriegründen muß sich in beiden Fällen derselbe Zahlenwert ergeben, was durch das Beispiel bestätigt wird.

 

Versuchsdurchgang A Versuchsdurchgang B
Erde Sorge Sorge Erde
Ausbeutung 0,0% ai 0,0%
Katastrophen 0,0% Klimakatastrophe 0,0%
Macht 0,0% Krieg 0,0%
Müll 0,0% Luft 0,0%
Mutter 0,0% Ozonloch 0,0%
Umwelt 20,0% Resignation 0,0%
Umwelt 20,0% Überbevölkerung 0,0%
Umwelt 20,0% Umwelt 31,3%
Umwelt 20,0% Umwelt 31,3%
Umwelt 20,0% Umwelt 31,3%
Umweltverschmutzung 20,0% Umweltverschmutzung 12,5%
Umweltverschmutzung 20,0% Umweltverschmutzung 12,5%
Umweltzerstörung 0,0% Umweltverschmutzung 12,5%
Verschmutzung 0,0% unfruchtbar 0,0%
Weltuntergang 0,0% Zerstörung 0,0%
Weltuntergang 0,0%
ÜBEREINSTIMMUNG A tex2html_wrap_inline23500 B 8,8% ÜBEREINSTIMMUNG B tex2html_wrap_inline23500 A 8,8%
Tabelle: Anteil der assoziativen Antworten auf Sorge Erde, die mit den assoziativen Antworten auf Erde Sorge übereinstimmen (linke Spalte) und umgekehrt (rechte Spalte).

 

Entsprechend der obigen Vorgehensweise wurden für alle 45 Assoziationslisten auf die Wortpaare des Versuchsdurchganges A sowie ihre korrespondierenden Assoziationslisten aus Versuchsdurchgang B die Übereinstimmungswerte berechnet und über alle 45 Beispiele gemittelt. Es ergibt sich folgendes Bild:

Die Werte für die Übereinstimmung der Wortlisten innerhalb von Versuchsdurchgang A und B liegen mit 3,06 und 4,22 relativ weit auseinander. Bei einer größeren Anzahl von Versuchspersonen und damit verbunden geringeren statistischen Schwankungen wären hier aus Symmetriegründen identische Werte zu erwarten, da die Verteilung der Wortpaarreihenfolgen auf die beiden Versuchsdurchgänge zufällig erfolgte.

Unter der Annahme, daß die Reihenfolge der beiden Stimuluswörter keinen Einfluß auf das Assoziationsverhalten hat, wäre beim Vergleich der korrespondierenden Assoziationslisten aus Versuchsdurchgang A und B ein Wert von (3,06 + 4,22) / 2 = 3,64 zu erwarten. Der tatsächlich gefundene Wert von 3,55 erreicht diesen Erwartungswert nahezu. Aus dem Versuch kann also geschlossen werden, daß die räumliche Reihenfolge der Stimuluswörter beim Assoziieren auf Paare von Substantiven keine Rolle spielt.

Da in der Versuchsanordnung auch Assoziationen zu einzelnen Stimuluswörtern erhoben wurden, können für diese ebenfalls mittlere Übereinstimmungen berechnet und mit den für Stimuluspaare erhaltenen Werten verglichen werden.

Bei einer sehr großen Stichprobe müßten alle drei Werte identisch sein. Tatsächlich ist aber die Übereinstimmung innerhalb Versuchsdurchgang B größer als innerhalb Versuchsdurchgang A. Dies bestätigt das auch schon bei Paarstimuli erhaltene Ergebnis, daß die Versuchspersonen in Versuchsdurchgang B gleichartigere Antworten geben, diese Versuchspersonengruppe also homogener zusammengesetzt ist. Diese Beobachtung fällt zusammen mit durchschnittlich kürzeren Reaktionszeiten dieser Versuchspersonengruppe.

Wie aus der in Tabelle gif gegebenen Übersicht hervorgeht, sind die auf Stimuluspaare gegebenen assoziativen Antworten wesentlich weniger homogen als diejenigen auf Einzelwortstimuli. Beim Paar-Assoziieren entfallen auf eine assoziative Antwort im Mittel etwa vier mal weniger gleiche Antworten als beim Assoziieren auf Einzelwörter.

 

Paar- Einzel-
stimuli stimuli
Übereinstimmung innerhalb A 3,06% 14,83%
Übereinstimmung innerhalb B 4,22% 16,41%
Übereinstimmung zwischen A und B 3,55% 13,42%
Tabelle: Mittlere Übereinstimmungen der assoziativen Antworten auf Einzel- und Paarstimuli innerhalb und zwischen den beiden Versuchsdurchgängen.

 


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Reinhard Rapp
Fri Jul 18 19:19:31 MET DST 1997